Richie Tink  / 1970 – 1974

1970 trafen sich auf einer privaten Fete Uwe Berg (Oberkassel), der als engagierter Folk-Barde schon einige Straßenauftrittserfahrungen gesammelt hatte, und der Gitarrist Volkmar Kramarz, der davor in diversen Bands (u. a. Top Hole mit Carol Knauber und den Hieronymi-Brüdern) mitgewirkt hatte. Als Schlagzeuger kam schon bald (erneut auf einer Fete kennen gelernt) Kristian Führing aus Duisdorf dazu, während als Bassist — erst wurde Jürgen Lülsdorf angesprochen, aber weil es seine Eltern strikt verboten, kam es nicht einmal zu einer Probe – Lutz Reichardt kurzerhand aus einer stehenden Band gleich nach einem Bonner-Sommer-Auftritt abgeworben wurde. Gleichzeitig wechselte auch der Manager Michael Langenberg mit zu Richie Tink und sollte dort entscheidende Impulse geben: Er brachte der Gruppe Kontakte und Auftrittsmöglichkeiten in ganz Bonn, von denen sie vorher noch nicht einmal gewusst hatte. Musikalisch war er ein wichtiger Berater, auf den gerade bei entscheidenden Fragen immer gehört wurde. Heute würde man wohl von einem Produzenten sprechen. Richie Tink konnten sich in der Folgezeit mit schnell eingeprobten eigenen Stücken, angelehnt an ihre so unterschiedlichen Vorbilder wie Steamhammer, Nektar, Neil Young und Led Zeppelin, bei diversen auswärtigen (Köln, Bielefeld) und Bonner Auftrittsmöglichkeiten präsentieren: vom Rheinischen Landesmuseum und Theater im Bonn-Center, Bonner Marktplatz 1971, Uni- Winterfest 1972 über Schulfeste bis zu Auftritten im Godesberger Underground. Ihr anfangs noch amateurhafter Musizierstil bekam einen Qualitätsschub durch den Wechsel des Schlagzeugers: Ab 1972 trommelte Hellmuth Fuhrmann, der auch einige Tourneen (Westfalen und Süddeutschland) mitspielte und 1973 bei Studio-Demo-Aufnahmen von drei Songs mitwirkte. 1974 stiegen wegen Studiumsverpflichtungen zuerst Uwe Berg, dann Lutz Reichardt und schließlich auch Hellmuth Fuhrmann aus und Volkmar Kramarz fand neue Leute. Doch im Herbst 1974 war der Schwung aus der Formation raus und Richie Tink löste sich auf (aus: Rope Schmitz “Bonner Rock Lexikon” Bonn 2005).

 
Richie Tink Mk I: 1970—1972
Uwe Berg (v/git), Volkmar Kramarz (git/v), Lutz Reichardt (b), Kristian Führing (dr)
Manager Mike Langenberg 1971

Erste Studio-Aufnahmen 1971 in der Aula des Erzbischöflichen Gymnasiums Bonn-Beuel (heute KFG).

 

Richie Tink Mk II

Uwe Berg (v/git), Volkmar Kramarz (git/v), Lutz Reichardt (bass), Friedhelm Nieske (drums), Holger Drosdatis (perc).

 

Richie Tink Mk III

Uwe Berg (v/git), Volkmar Kramarz (git/v), Lutz Reichardt (bass), Hellmuth Fuhrmann (†) (drums) (Studio-Demo) (Blues-Rock).

 

ab 1974: Richie Tink Mk IV
Volkmar Kramarz (git/v), Hans Engel (später Sticky Fingers, git/v), Cito Steinforth (bass/v), Hans “Piet” Peters (drums).

 

Live! vor dem Uni-Hauptgebäude Sommer 1973 – großes Happening und sehr laut!

In "unserer" Schule, dem Erzbischöflichen Gymnasium Bonn-Beuel (heute KFG), führten wir 1971 unsere ersten Demo-Aufnahmen in der Aula durch. Genau an dieser Stelle hatten zwei Wochen zuvor unsere absoluten Oberidole, die legendären Hairy Chapter gespielt, deren Auftritt wir natürlich standesgemäß auf den Knien miterlebten...

Der erste – und letztendlich einzige – ernsthafte Studioaufenthalt war im Frühling 1974. Hoch konzentriert und immer im Kampf mit den Kopfhörern. Uns so zu hören kannten wir noch nicht...

1977-78 kamen kurzfristig Lutz Reichard (bass) und Volkmar Kramarz (git) nochmals zusammen und gaben als Dreyfuss diverse Auftritte in Bonner Clubs. Am Schlagzeug war dabei Kily Sieffarth (Ex-Renaissance, Sturmflut) zugange – es wurde experimentell...

Trips nach Texel ins "Sarasani"...

Und wann immer es ging, brachen wir damals im Sommer auf – per Anhalter, mit dem Zug über Amsterdam, im DAF 55 meiner Mutter oder später in der "Dyane-Ente" von Bandbetreuer und treuem Freund Rolf Limbach – nach Texel: Übernachtet wurde in der Jugendherberge "De Eyercoogh" (längst abgerissen und ersetzt durch eine Feuerwehrstation) und die Abende wurden im legendären Club Sarasani verbracht, nur wenige hundert Meter entfernt gelegen. Focus, Living Blues, Cuby & The Blizzards und viele mehr traten dort auf, und wir waren tief beeindruckt – coole Leute, niedrige Preise, tolle Abende.

Jahrzehnte später, nach mehrfachem Brand und massivem Umbau zu einem wieder ausschließlich landwirtschaftlich genutztem Schuppen, erinnert nicht mehr viel an diese wilden Jugend-Events – aber ein Hauch Erinnerung an die alte Hippie-Zeit schwebt noch durch´s Gelände :)